Rund um die Energieberatung
"Die wichtigste Entscheidungsgrundlage für Sanierungsmaßnahmen ist eine unabhängige Energieberatung"
Bild einer Energieberatung

 

Der Markt der Energieberatungen

Der Umfang und die Inhalte der im Markt angebotenen Energieberatungen unterscheiden sich stark. Beispielsweise werden verschiedenste Dienstleistungen wie eine stationäre Beratung eines Energieversorgers, eine Vor-Ort-Beratung durch den Energieberater oder die Erstellung eines Energieausweises in der Öffentlichkeit als „Energieberatung“ bezeichnet. Daher sollte beachtet werden, dass eine Energieberatung verschiedene Beratungstiefen haben kann. Die passende Beratungstiefe sollte daher vorab mit dem Energieberater individuell abgesprochen werden.

Gängige Beratungsformate sind z.B. die umfängliche Energieberatung für Wohngebäude des BAFA, die Beratung zu Einzelmaßnahmen nach KfW oder die verschiedenen Beratungen (z.B. Gebäude-Check) der Verbraucherzentrale, da diese standardisierten Dienstleistungen mit öffentlichen Mitteln gefördert werden. Um die anspruchsvollen Anforderungen an die Energieberatung nach dem BAFA-Förderprogramm „Energieberatung für Wohngebäude“ zu erfüllen, muss vom Energieberater unter anderem ein Beratungsbericht erstellt werden, der spezifische Anforderungen erfüllen mussDer Bericht ermöglicht es, ein Energieeffizienzgebäude (z.B. KfW 55) oder einen sog. gebäudeindividuellen Sanierungsfahrplan (iSFP) mit Einzelmaßnahmen berechnen zu lassen.

 

Empfehlungen für die Energieberatung von WEG

 

Nach Ansicht der Autoren sollte die Energieberatung für Wohngebäude dem Eigentümer eine ganzheitliche energetische Betrachtung seines Gebäudes liefern. Dabei sollten die Energieverbräuche, der Zustand des Gebäudes und der technischen Anlagen, sowie deren Zusammenwirken im Gebäudesystem untersucht und in einem schriftlichen Beratungsbericht dargestellt werden. Der Bericht sollte mindestens folgende Punkte beinhalten:

  • Eine Bilanzierung des Ist-Zustandes des Gebäudes auf Basis geltender Normen;
  • Die Nennung und Erläuterung von Einsparpotenzialen;
  • Empfehlungen von energetischen Sanierungsmaßnahmen
  • Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen der empfohlenen Maßnahmen (inklusive Fördermöglichkeiten)
  • Die bereinigten Energiekosten des Gebäudes;

Beispiele für Energiebilanz und Wirtschaftlichkeitsberechnung:

Schritt für Schritt Anleitung zur Energieberatung

Mangelnde Kenntnisse über den Zustand der Gebäudes und unterschiedliche Interessen Einzelner stehen einer Beauftragung einer Energieberatung oftmals entgegen. Das kostenfreie Beratungsangebot der Stadt Frankfurt bietet in der Analysephase einen Einstieg in die meist notwendige Energieberatung. Die interessierten Eigentümer der WEG erhalten mit dem Beratungsangebot einen ersten Energieanalyse-Bericht, der für die weitere Vorgehensweise verwendet werden kann.

Schritt 1: Vor der Umsetzung

Alle Eigentümer sollten sich vor einer Sanierung zunächst möglichst umfassend und unabhängig informieren, denn nicht auf das Wohngebäude abgestimmte Maßnahmen führen in komplexen Systemen leicht zu vermeidbaren Mehrkosten und Fehlern. Deswegen steht am Anfang einer Sanierung die Wahl eines qualifizierten Energieberaters an. Seine Beratung ist für die zukünftigen Sanierungen wegweisend.

Architekten, Ingenieure und Handwerker, die sich zu Energieberatern weiterqualifiziert haben und definierte Qualitätskriterien erfüllen, sind in der Energieeffizienz-Expertenliste oder der WEG-Bereiter-Liste zu finden.

Für WEG ist der individuelle Sanierungsfahrplan (iSFP) häufig besonders geeignet, da er Eigentümern aufeinander abgestimmte Einzelmaßnahmen aufzeigt, die es den Hauseigentümern ermöglichen, Schritt für Schritt energieeffizient und nach den jeweiligen finanziellen Möglichkeiten zu sanieren. Durch diesen Aufbau bietet er sich besonders für WEG an, ihn als Sanierungskonzept für die Kommunikation mit anderen Wohneigentümern und für die WEG-Verwaltung zu verwenden.

Schritt 2: Der Realitätscheck, der Ist-Zustand des Gebäudes

Nachdem die Eigentümer einen Energieberater ausgewählt haben, sollten sie mit den nachstehenden Vorbereitungen beginnen: Damit der Energieberater den Ist-Zustand des Gebäudes bestimmen kann, sind die Zugänglichkeit aller relevanten Bauteile und Räumlichkeiten zu organisieren und Dokumente wie Planunterlagen, Heizkostenabrechnungen, Schornsteinfegerprotokolle, Energieausweis, etc. dem Energieberater - idealerweise in einer Bauakte - zu Verfügung zu stellen. Es empfiehlt sich für die WEG selbst (Verwalter, Beirat und/oder interessierte Eigentümer), bei der Begehung selbst dabei zu sein, um dem Energieberater auf bekannte Schwachstellen hinzuweisen. Auch können eigene Sanierungswünsche so in Ergänzung zur Datenaufnahme eingebracht werden.

Schritt 3: Ausarbeitungen der Energieberatung in Berichtsform

Die Untersuchungsergebnisse werden in einem Bericht detailliert dargestellt. Die Eigentümer erhalten in der Regel mehrere konkrete Maßnahmenvorschläge zur Verbesserung der Energieeffizienz und notwendiger energetischer Instandsetzungsmaßnahmen des Gebäudes unter Berücksichtigung der technischen und rechtlichen Rahmenbedingungen sowie der Wirtschaftlichkeit. Die Maßnahmenvorschläge werden in einem Termin vor der Wohneigentümerversammlung durch den Energieberater vorgestellt. Mit Übergabe des Beratungsberichts steht den Eigentümern ein in sich stimmiges Sanierungskonzept zur Verfügung. Dieses kann als Richtschnur für weitere Gespräche mit anderen Wohneigentümern und Sanierungsbeschlüsse genutzt werden. Für die Verwaltung kann der Bericht als unterstützendes Dokument für Sanierungsmaßnahmen genutzt und in den Wirtschaftsplan integriert werden. Nach Vollendung dessen kann mit der Umsetzungsphase begonnen werden.